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GLÜCKSMACHEREI 

Murnau / München

Warum weniger tun uns gesünder und glücklicher macht

Entspannte Person mit der Einladung: Du musst nicht besser werden. Du darfst einfach sein.

Du musst nicht besser werden. Du darfst einfach sein.

Es gibt einen Grundton in unserer Gesellschaft, der kaum zu überhören ist: die Botschaft, dass wir uns verbessern müssen.

Sie ist nicht leise – sie ist allgegenwärtig.

Sie begegnet uns in sozialen Medien, in der Arbeitswelt, in Gesundheitskonzepten, in zwischenmenschlichen Erwartungen. Sie zeigt sich in dem ständigen Impuls, mehr zu leisten, gesünder zu leben, bewusster zu sein, disziplinierter zu handeln.

Selbstoptimierung hat viele Gesichter:

Vieles davon kann hilfreich sein. Und gleichzeitig kann all das Druck erzeugen. Denn oft liegt unter dieser Bewegung nicht nur der Wunsch nach Entwicklung, sondern ein Gefühl von „noch nicht genug sein“.

Beispiel 1 Beispiel 2 Beispiel 3

Wenn Selbstfürsorge zur Anstrengung wird

Selbstoptimierung beginnt selten dort, wo wir wirklich frei sind. Oft beginnt sie dort, wo etwas in uns angespannt ist, wo wir glauben, noch nicht zu genügen, wo wir uns festhalten an einer Vorstellung davon, wie wir sein sollten.

Trauma zeigt sich häufig als Fixierung – als ein inneres Festhalten, als ein Zustand, in dem wir nicht mehr wirklich wählen können.

Wenn wir beginnen, uns selbst zu optimieren, lohnt es sich, sehr fein hinzuspüren: Handeln wir aus Lebendigkeit und aus einem ruhigen Zentrum heraus – aus einer wirklich freien Entscheidung? Oder handeln wir aus einem inneren Zwang?

Der Unterschied ist meist von außen nicht sichtbar, sondern kann nur von innen heraus bemerkt werden – im eigenen Erleben, in der Haltung, aus der wir handeln.

Zeigt sich im Körper eher Weichheit und Leichtigkeit:

Oder eher Anspannung und Druck:

Und gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen: Selbstoptimierung kann sich kurzfristig sogar regulierend anfühlen. Sie gibt Struktur, Orientierung, ein Gefühl von Kontrolle. Doch wenn sie aus Druck entsteht, bildet sich langfristig oft ein Kreislauf – aus Anspannung, Anspruch und erneuter Erschöpfung.

Was ist mit wirklicher Entspannung gemeint?

Wenn dieser Kreislauf bestehen bleibt, bleibt auch das Nervensystem in einer subtilen Aktivierung. Wir funktionieren, organisieren, leisten – oft über lange Zeiträume hinweg. Und wenn wir nicht mehr können, kippt das System in die Gegenbewegung: Erschöpfung, Rückzug, passiver Konsum.

Wir legen uns aufs Sofa, schauen Serien, scrollen durch Inhalte und nennen das Entspannung. Doch in Wahrheit ist es oft nur die andere Seite derselben Dysregulation. Wir haben verlernt, was es bedeutet, wirklich zu entspannen, und wir haben verlernt, was mit Müßiggang eigentlich gemeint ist.

Ein Blick aus der Neurobiologie

In der heutigen schnelllebigen Zeit findet ein großer Teil unseres Alltags aus erhöhten Aktivierungsmustern heraus statt, die mit Überleben zu tun haben. Das Stammhirn organisiert Kampf, Durchhalten, Reagieren – häufig verbunden mit sympathischer Aktivierung. Wenn diese Aktivierung zu lange anhält, folgt nicht selten der Kollaps. Beides sind Extreme.

Regulation entsteht dort, wo der präfrontale Kortex wieder aktiv ist und das Nervensystem sich im ventralen Vagus organisiert – in einem Zustand von:

Und genau hier öffnet sich der Raum für etwas, das viele von uns verlernt haben: Müßiggang – als Form von wirklicher, regulierter Entspannung. Eine solche Regulation des Nervensystems wird in der Somatic Experience Coaching gezielt gefördert und geübt.

Der verlorene Rhythmus

Ruhen
Ruhen
Spiel
Spiel
Rückzug
Rückzug

Ein gesundes Maß für uns als Menschen wäre eine lebendige Balance zwischen Aktivität und Phasen von Ruhe und Müßiggang – eine natürliche Pendelbewegung zwischen Aktivierung und Entspannung, zwischen Sympathikus und Parasympathikus. In einem gesunden System schwingt dieses Pendel in einem lebendigen, ausgewogenen Radius.

In unserer heutigen Lebensweise gerät dieses Pendel jedoch häufig aus dem Gleichgewicht. Die Ausschläge werden so groß, dass sie für unser Nervensystem kaum noch gut zu regulieren und zu halten sind. Es fehlt an innerem Containment – an der Fähigkeit, diese Zustände wirklich zu integrieren.

Stimmen aus Kunst, Natur und innerem Erleben

Spieltrieb Lebendigkeit Beobachtung

Schon Dichter, Denker und Künstler haben auf diese Qualität des Seins hingewiesen. Friedrich Schiller beschreibt den Spieltrieb als die Mitte des Menschen – als den Zustand, in dem sich Form und Lebendigkeit verbinden und der Mensch ganz wird. Auch in der Kunst zeigt sich diese Haltung: bei den Impressionisten, bei Monet, in der stillen Beobachtung von Natur, Licht und Bewegung. Eine andere Zeitqualität wird spürbar – eine Form von Aufmerksamkeit, die nicht greift, sondern wahrnimmt.

Kinder haben einen natürlichen Zugang dazu. Wenn sie spielen, vergessen sie die Zeit, sie sind ganz im Moment, ganz im Körper, ganz im Erleben. Genau hier entsteht echte Regeneration.

Die Qualität des Müßiggangs

Müßiggang bedeutet nicht, nichts zu tun im Sinne von Leere oder Ablenkung. Er beschreibt eine andere Qualität des Tätigseins.

In solchen Momenten verändert sich etwas grundlegend: Der Körper wird wieder zum Ausgangspunkt unserer Erfahrung und damit auch unsere Fähigkeit, Bedürfnisse wahrzunehmen. Viele von uns verlieren im Alltag den Zugang dazu. Nicht, weil wir es nicht wollen, sondern weil das permanente Funktionieren die Wahrnehmung überlagert.

Müdigkeit wird übergangen, Hunger nicht mehr klar gespürt oder mit Gewohnheiten überdeckt, Bedürfnisse nach Nähe, nach Berührung, nach einem Gegenüber, das wirklich zuhört, bleiben oft unbemerkt. Auch das Bedürfnis nach echter Ruhe – nicht als Kollaps, sondern als regulierter Zustand – wird selten wahrgenommen.

Müßiggang kann diesen Zugang wieder öffnen. Er schafft Räume, in denen wir wieder lauschen können.

Eine Einladung zurück zum Müßiggang

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung unserer Zeit nicht darin, noch mehr zu tun, sondern darin, weniger zu tun – und dieses Weniger bewusst zu erleben und zu genießen. Nicht im Sinne von Rückzug oder Kollaps, sondern im Sinne von sinnlicher Verkörperung, eines Daseins, in dem wir wieder mit uns selbst in Kontakt sind.

Es geht nicht darum, sich aus dem Leben zurückzuziehen, sondern darum, anders im Leben zu sein. Sich wieder zu erlauben, im eigenen Tempo zu gehen, den eigenen Rhythmus wahrzunehmen und sich nicht ständig an äußeren Anforderungen auszurichten.

Müßiggang beginnt oft nicht in großen Entscheidungen, sondern in kleinen Momenten, die wir normalerweise übergehen.

Wenn wir zur Bushaltestelle gehen, stellt sich vielleicht die Frage: Muss der Körper wirklich so schnell laufen – oder wäre ein langsamerer Schritt stimmiger? Wenn wir warten, müssen wir dann sofort zum Handy greifen, oder könnten wir einfach wahrnehmen, was gerade da ist? Die Luft, die Geräusche, die Farben um uns herum, die Menschen, die ebenfalls warten.

Solche Momente wirken unscheinbar. Und doch liegt genau darin eine Qualität, die wir weitgehend verloren haben: die Fähigkeit, einfach da zu sein, ohne etwas erreichen zu müssen.

Müßiggang ist kein Gegenentwurf zum Leben, sondern eine Form, wieder in Beziehung mit ihm zu treten. Ein Zustand, in dem wir nicht gegen uns arbeiten, sondern beginnen, mit uns zu sein. In dem wir nicht permanent etwas korrigieren müssen, sondern wahrnehmen dürfen, was bereits da ist.

Wir müssen nicht erst besser werden, um in Ordnung zu sein. Dieses Gefühl von Stimmigkeit ist bereits in uns angelegt – und wartet nur darauf, wieder gespürt zu werden.